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Allergien.

Eine Allergie ist die überschießende Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem) auf verschiedene, körperfremde Stoffe aus der Umwelt. Dabei verkennt das Immunsystem fälschlicherweise diese Fremdstoffe (z. B. Blütenpollen) als Bedrohung für den Organismus. Prinzipiell kann jede Substanz aus unserer Umwelt eine Allergie auslösen, dabei ist die allergische Potenz, also die Fähigkeit eines Stoffes, eine Allergie auszulösen, sehr unterschiedlich. Sehr starke Allergene sind z. B. Hühnerei, Fisch, Kuhmilch, aber auch der Kot der Hausstaubmilbe, Katzenhaare oder Birkenpollen. In der Regel handelt es sich dabei um eine Eiweißsubstanz. Insgesamt sind bislang ca. 20000 allergieauslösende Substanzen bekannt geworden. Die klassischen Allergieauslöser sind Nahrungsmittel, Blütenpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare und Insektengift.
In der nebenstehenden Grafik wird die Entstehung einer Allergie verdeutlicht. 
Man unterscheidet Allergien, die durch Inhalation der Substanzen ausgelöst werden (Inhalationsallergien), Nahrungsmittelallergien und Kontaktallergien. In Deutschland leiden rund 15 bis 20 Prozent der Menschen unter einer Allergie, darunter sind auch zunehmend mehr Kinder betroffen.

Am Auge treten Bindehautentzündung und Lidschwellung auf. An den Atemwegen kommt es zu Heuschnupfen, Dauerschnupfen, Schwellungen der Atemwege, Husten, Luftnot.
An der Haut können Nesselsucht (Urtikaria), Ekzeme (Neurodermitis) auftreten. Bei Nahrungsmittelallergien werden auch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall beobachtet, bei Kindern unter Umständen auch eine Gedeihstörung.

Bei einer Insektengiftallergie droht unter Umständen einigen Menschen sogar ein lebensgefährlicher Kreislaufschock.

Wenn Sie bei Ihrem Kind jahreszeitlich abhängig Symptome wie Schnupfen, gerötete und juckende Augen feststellen, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind auf bestimmte Haustiere allergisch ist oder auf den Genuss einzelner Nahrungsmittel mit einem Hautausschlag reagiert, dann sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt über die Notwendigkeit einer allergologischen Diagnostik sprechen. Aber auch nächtlicher und morgendlicher, chronischer Husten kann ein Hinweis auf eine Allergie, z.B. auf den Kot der Hausstaubmilben, sein.

Die Diagnose und Therapie allergischer Erkrankungen setzt eine sorgfältige Erhebung der Krankenvorgeschichte (Anamnese) sowie eine große Erfahrung in der Untersuchung der Kinder voraus. Auch die Durchführung und Beurteilung der verschiedenen Haut-, Provokations- und Labortests erfordert eine spezielle Ausbildung. Dr. med. J. Lemke, Kinderarzt, Pneumologe und Allergologe und sein Team verfügen über langjährige Erfahrung mit Allergiekranken Kindern und steht Ihnen für ihre Fragen im Zusammenhang mit diesen Krankheiten auf Überweisung zur Verfügung.

Zur allergologischen Diagnostik gehört eine sorgfältige Anamnese sowie meist eine Hauttestung der häufigsten Allergene, ergänzt durch im Einzelfall möglicherweise relevante Substanzen wie Haustierhaare oder Nahrungsmittel. Selbstverständlich können auch Insektengiftallergien auf diesem Weg zuverlässig diagnostiziert werden. Im Einzelfall können spezielle Laboruntersuchungen oder andere Allergie- und Provokationstests die Diagnose sichern helfen.

Man kann Allergien auch durch eine Blutuntersuchung erkennen. In diesem Fall werden Immunantikörper (spezifisches IgE) auf verschiedene Allergene bestimmt.

Bei einem Provokationstest wird versucht, die Relevanz einer nachgewiesenen Allergie für den Patienten zu bestimmen. Dazu kann man z.B. das betroffene Allergen in die Nase des Patienten sprühen und dann mit einem Gerät den Luftstrom in der Nase messen (Rhinomanometrie). Reagiert der Patient mit einem allergischen Schnupfen, kann die Schleimhautschwellung der Nase so registriert werden. Bei Patienten mit verschiedenen Allergien kann man mit dieser Methode zum Beispiel vor einer geplanten spezifischen Immuntherapie überprüfen, welches Allergen die größte „krankmachende" Wirkung auf den Patienten hat.
Eine andere Art der Allergenprovokation wird bei wichtigen Nahrungsmittelallergien angewandt. Führt eine solche Allergie zu einer wesentlichen Einschränkung der Ernährung des Patienten oder ist im Zusammenhang mit einer Nahrungsmittelallergie eine schwere anaphylaktische (allergische) Schockreaktion aufgetreten, kann im Rahmen eines aus Sicherheitsgründen stationären Aufenthaltes mit vorsichtig steigender Dosierung des entsprechenden Allergens die Relevanz der Allergie getestet werden.

Ein Pricktest ist ein Hauttest zur Abklärung möglicher Allergien. Dazu wird auf dem Arm ein Tropfen mit der Testlösung aufgetragen und dann die Haut an dieser Stelle mit der Prick-Lanzette ca. 1 mm tief schmerzlos eingeritzt. Nach ca. 15 Minuten wird die Stelle untersucht, hat sich dann eine Quaddel gebildet, so spricht dies für eine bestehende Allergie gegen die Testsubstanz. Bei Allergien des Soforttyps wird der Prick-Test als Standardmethode angewandt.

Ein Pflaster mit der allergenhaltigen Substanz wird auf die Haut, meist am Rücken, geklebt und das Areal nach 24, 48 und 72 Stunden abgelesen. Dieser Test dient zur Identifizierung von Typ-IV-Allergien vom verzögerten Typ, wie zum Beispiel der Nickelallergie. Dieser Allergietest wird in unserem Kinderkrankenhaus in der dermatologischen Ambulanz („Hautsprechstunde“), Leiter: Prof. P. Höger, durchgeführt.

Allergenkarenz: Eine mögliche Therapieoption besteht in der Allergenkarenz (-vermeidung) durch allgemeine und spezielle Maßnahmen wie z.B. dem Encasing des Schlafplatzes bei einer Hausstaubmilbenallergie. Dabei werden Matratze und Kissen mit speziellen Überzügen umhüllt, die die Allergenkonzentration für das Kind deutlich reduzieren. Bei einer Nahrungsmittelallergie kann eine allergenfreie Diät helfen. Bei vielen Allergien ist eine Karenz allerdings nur mit großen Einschränkungen oder praktisch gar nicht möglich. Dies gilt zum Beispiel für die Pollenallergien. Hier kann lediglich versucht werden, die Menge der eingeatmeten Pollen zu reduzieren. Vermeiden Sie sportliche Aktivitäten bei hohen Pollenkonzentrationen in der Luft.

Bei der Planung des Urlaubs bietet es sich für Pollenallergiker an, in der hiesigen Blütezeit zu verreisen und als Urlaubsziel einen Ort mit geringer Pollenbelastung zu wählen. Eine besonders pollenarme Luft findet man im Hochgebirge, am Meer und auf Inseln vor.

Spezifische Immuntherapie: Eine andere Möglichkeit der Therapie, besonders bei Pollenallergien, aber auch bei der Hausstaubmilbenallergie sowie bei einigen Tierhaar- und Insektengiftallergien ist die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung). Dazu werden nach entsprechender Diagnostik speziell hergestellte Allergenextrakte in regelmäßigen Abständen unter die Haut (subkutan) injiziert und damit ein „Gewöhnungseffekt" des Körpers gegenüber dem jeweiligen Allergen erzielt. Das Immunsystem entwickelt eine Toleranz. Mit dieser Therapie können heute bei entsprechend sorgfältiger Auswahl des Allergens und der Patienten bei 90% der Kinder schon nach einem Jahr eine deutliche Besserungen der Symptomatik erzielt werden. Die Immuntherapie wird mindestens über drei Jahre fortgeführt um eine langanhaltenden, oft lebenslangen Effekt zu erzielen. Jährlich behandeln wir so ca. 30 Patienten. Nähere Informationen zur systemischen Immuntherapie finden Sie unten (Button „SIT") oder unter den auf unserer Weblink-Seite aufgeführten Links.

Medikamentöse Therapie: Steht eine systemische Immuntherapie bei dem betreffenden Allergen nicht zur Verfügung oder sprechen andere Begleiterkrankungen gegen die Durchführung dieser Therapie, kann versucht werden, mit Medikamenten die Symptome der Allergie zumindest vorübergehend zu lindern. Diese wirken allerdings nicht gegen die Ursache der Allergie wie bei der spezifischen Immuntherapie.

Die systemische Immuntherapie ist die bislang einzige ursächlich ansetzende Allergietherapie. Dabei wird versucht, dem Patienten das für ihn relevante Allergen in langsam ansteigender Dosis zu zuführen und so eine Gewöhnung des Immunsystems zu erzielen. Die Therapie erfolgt mindestens über drei Jahre. Bei der konventionellen SIT wird das Allergen unter die Haut (subkutan) injiziert, die Verabreichung in Tropfenform unter die Zunge (sublinguale SIT) ist auch möglich. Den Wirkungsgrad dieser Therapievariante zu überprüfen ist derzeit Ziel vieler aktueller klinischer Untersuchungen.
Die subkutane SIT muss stets von einem speziell ausgebildeten Arzt durchgeführt werden, der die Nebenwirkungen und Risiken der Therapie genau einschätzen und bei deren Auftreten richtig reagieren kann. Unter dieser Vorraussetzung sind die Erfolgsaussichten der SIT sehr gut.