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Plastisch-rekonstruktive Gesichtschirurgie

Blutschwämme/ Gefässfehlbildungen (vaskuläre Anomalien)
Blutschwämme (Haemangiome/ regressive Gefässtumore), Gefäßfehlbildung (Venöse Malformationen, kapilläre Malformationen (Naevus flameus), lymphatische Malformationen) und Riesenmuttermale (Riesennävi) zählen zu den häufigsten Läsionen der Gesichtshaut im Kindesalter. Die Therapie erfolgt in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Dermatologie und der Kinderchirurgie am KKW. Bei ausgedehnten kapillären Malformationen (Sturge-Weber-Syndrom) hat sich die Reduktionsplastik zum Erhalt der Gesichtskontur als psychologisch vorteilhaft bewährt.

Die Abteilung für Dermatologie verfügt über eine herausragende Erfahrung in der medikamentösen Therapie des Hämangioms, in nur seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich. Venöse-, kapilläre und arterio-venöse Malformationen werden nach klinischer Abklärung mit der Abteilung für Dermatologie, Kinderchirurgie und Radiologie durch Laser, und chirurgisch behandelt. Nach Durchführung konservativer Therapien (Hämangiom), erfolgt die chirurgische Entfernung des Restbefunds im Sinne einer Konturoperation im Gesicht (Stirn, Augenlider, Nase, Wangen, Ohrmuschel, Lippen, Kinn) (Abb.22). Volumendefizite werden durch Aufbau der betroffenen Fettkompartimente mit Eigenfett korrigiert.

Beim Sturge-Weber-Syndrom (angeborene Gefäßfehlbildung/ kapilläre Malformation),  sind ausgedehnte Bereiche des Gesichts betroffen. Unser Ziel ist, die Kontur des Gesichts zu korrigieren. Sehr oft werden Lippen und Nase reduziert. Durch Anwendung von Tumeszenzlösung (verdünntes Lokalanästhetikum und Adrenalin; 6ml/kg/KG) ist die Operation blutarm durchführbahr.

Abb. 22 – Sechsjähriger Junge mit einer prominenten Nase nach Involution und Lasertherapie eines Hämangioms (links). Reduktionsplastik der Nase 2 Jahre postoperativ (rechts).

Muttermale (Naevi)/ Riesenmuttermale (Riesennaevi)
Muttermale/ Riesenmuttermale im Gesicht stellen eine der größten Herausforderungen in der plastisch- rekonstruktiven Gesichtschirurgie im Kindesalter dar. Wir bevorzugen die Dehnungsplastik und Resektion in mehreren Schritten. Ziel ist es, die Narben unter Berücksichtigung der regionalen ästhetischen Einheiten in natürliche Falten zu legen. Bei Riesennaevi mit völliger Beteiligung einer ästhetischen Einheit (Nase, Wange, Stirn) verwenden wir Hautexpander (Tissue expander). Dies erfolgt durch die Implantation eines Ballons unter die benachbarte, gesunde Haut. Der Ballon wird täglich durch die Eltern über einen externen Port mit steriler Kochsalzlösung (NaCl 0.9%) aufgefüllt, sodass die benachbarte Haut sukzessiv gedehnt wird. Die herkömmlichen Hautexpander sind meistens zu groß, sodass wir oft individuell angefertigte Expander verwenden. Nach ca. 8-12 Wochen wird der Hautexpander entfernt. Durch die vorgedehnte Haut kann das Gesicht nach dem Prinzip der regionalen ästhetischen Einheiten rekonstruiert werden (Abb. 23)
Weitere Informationen zum Thema „Muttermale“ finden Sie über die Selbsthilfegruppe Neavus-Netzwerk Deutschland e.V. unter www.naevus-netzwerk.de.

Abb. 23 - Naevus (Muttermal) mit Beteiligung der Wange und Nasenrücken zwei Wochen nach Einbau eines individuell angefertigten Gewebeexpanders (Tissue expander). Der Port bleibt draußen und wird täglich von den Eltern aufgefüllt (unten rechts: Injektion von Kochsalzlösung in den Port zur Hautexpansion). Je nach Ausdehnung werden mehrere Expander angewandt.

Dermoide der Nase, Nasenfisteln und Meningoenzephalozelen
sind angeborene Fehlbildungen, die durch Vorwölbung der Nase in unterschiedlicher Ausprägung vorkommen können. Eine radiologische Abklärung der intrazerebralen Beteiligung ist erforderlich (MRT) (Abb. 24). Die Therapie ist immer chirurgisch, je nach Ausdehnung wird die Operation in Zusammenarbeit mit dem Neurochirurgen durchgeführt.

Abb. 24 - Dermalsinus (Nasenrücken) (links) zeigt eine Verbindung nach intrakraniell (Pfeil im MRT rechts). Der Befund wurde zusammen mit dem Neurochirurgen über einen kraniofazialen Zugang entfernt. 3D-Fotographie zeigt Korrektur des Nasenprofils (unten: vorher links; nachher rechts).

Gesichtsatrophie (Perry Romberg Syndrom/ lokalisierte Skleroderma)
Die Atrophie einer Gesichtshälfte, Perry Romberg Syndrom genannt, eine Form der lokalisierten Skleroderma (Juvenile Local Sclerodermia, JLS), tritt im Kindesalter auf. Die Kinder werden durch den Kinderrheumatologen mit immunosuppressiven Medikamenten behandelt (Methotrexat). Unsere Aufgabe ist es, das Gesicht zu rekonstruieren. Vor vielen Jahren war es üblich, die Anwendung von Fernlappenplastiken (Gewebetransplantation) zum Gewebeaufbau zu verwenden. Wir verwenden Eigenfett durch Mikroinjektion (0,7mm Stumpfkanülen) zum Aufbau der Fettkompartimente nach einem 3D-Prinzip (Abb. 25). Nach neuesten Erfahrungen mit Eigenfett, ist dessen Anwendung im Frühstadium der Krankheit zu verwenden, um skelettale Deformierungen zu vermeiden. Weitere Informationen zur lokalisierten Skleroderma finden Sie unter www.kinderrheumatologie.de (Hamburger Zentrum für Kinder u. Jugendrheumatologie).

Abb. 25 - Achtjähriges Mädchen mit einer juvenilen lokalen Sklerodermie (Perry-Romberg-Syndrom) mit Beteiligung der linken Gesichtshälfte (3 D- Fotographie links). Aufbau des Wange (Mitte) mit Eigenfett (unten rechts) entnommen aus dem Oberschenkel (oben rechts). 30% des Volumens bleibt erhalten, 3 bis 4 Behandlungen sind erforderlich, um die Gesichtskontur wiederherzustellen.

Narben nach Verbrennungen
Die Folgen einer Verbrennung im Gesicht sind enorm. Neben der ästhetisch störenden Narben; können erhebliche funktionelle Einschränkungen entstehen, wenn die Lippen betroffen sind. Rekonstruktive Maßnahmen im Bereich der Lippen sind Teil unserer Kernkompetenz (Abb. 26).
Weitere Informationen zu brandverletzten Kindern erhalten Sie über die Organisation "Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V." unter www.paulinchen.de.

Abb. 26 - Verbrennung der gesamten Lippen. Operation unter Berücksichtigung der ästhetischen Einheiten im Gesicht. Rekonstruktion des Lippenrotes mit Schleimhaut aus der Innenlippe (Technik nach v. Bruns), (aus dem eignen Patientenkollektiv am Sushma Koirala Memorial Hospital, Interplast Germany, Sakhu, Kathmandu, Nepal)