Plastische Kindergesichtschirurgie und Gesichtsfehlbildungschirurgie

Die Plastische Kindergesichtschirurgie und Gesichtsfehlbildungschirurgie hat zum Ziel, Kinder mit angeborenen Gesichtsfehlbildungen und erworbenen Formstörungen im Gesicht, zu versorgen.

Leistungsspektrum

1.) Gesichtsfehlbildungen (Kraniofaziale Anomalien)

a.) Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten und Gesichtsspalten:
Die Behandlung von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten wird in unserer Klinik von einem interdisziplinären Team in vollem Umfang angeboten. Der erste Kontakt mit dem behandelnden Arzt erfolgt direkt nach der Geburt. Dieser klärt Sie über die notwendigen Schritte zur Wiederherstellung von Form und Funktion auf. Die Spaltbildung kann unterschiedlich ausgeprägt sein; es kann sich um eine isolierte Lippenspalte,  um eine Gaumenspalte oder eine durchgehende Spalte der Lippe, des Kiefers und des Gaumens handeln. Wenn der Gaumen betroffen ist, steht die Ernährung Ihres Kindes nach der Geburt im Vordergrund. Unsere Mitarbeiter in der Ernährungsambulanz werden Ihnen die nötigen Ratschläge geben. Eine Trinkplatte wird nach Abnahme eines Abdrucks hergestellt und im Gaumen des Kindes eingegliedert. Die Trinkplatte hat zur Funktion, den Nasenraum von der Mundhöhle zu trennen. Durch das Abschleifen der Platte kann das Wachstum des Kiefers gesteuert werden, sodass die Spalte kleiner wird. Die erste Operation ist der Lippenverschluss im Alter von 3-6 Monaten. Der Gaumen wird im 12. Lebensmonat verschlossen. Dies gilt als Voraussetzung für das Erlernen des Sprechens. Zur Einschulung sollte die Form (Lippenästhetik, Nasenflügel-Form) und die Funktion (Sprechen, Hören) wiederhergestellt sein; ebenfalls sollten Korrekturen vorgenommen werden, wie bspw.  Lippenkorrektur oder sprechverbessernde Maßnahmen. Der Verschluss der Kieferspalte erfolgt im 8.-11. Lebensjahr als Voraussetzung für den Durchbruch des Eckzahnes.

In der Pubertät steht die kieferorthopädische Feineinstellung der Zähne im Vordergrund. Diese Therapiephase ist die Vorbereitung für Maßnahmen nach Abschluss des Wachstums wie z.B. profilverbessernde Maßnahmen und die Nasenkorrektur. Zu den profilverbessernden Maßnahmen gehören die Einstellung des Oberkiefers, des Unterkiefers und des Kinns. Oft werden Kinn- und Nasenkorrektur in der gleichen Sitzung vorgenommen.
  
Unser Ziel ist es, dass die Patienten eine Gesichtsidentität entwickeln mit der sie zufrieden sind. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Das Katholische Kinderkrankenhaus Wilhelmstift ist ein idealer Ort für die interdisziplinäre Arbeit in einer kindgerechten Umgebung.

b.) Gesichtsanomalien bei syndromalen Kraniosynostosen (Pfeiffer Syndrom, Morbus Crouzon, Apert Syndrom):
Die Kraniosynostosen (frühzeitige Verknöcherung der Schädelnähte) betreffen nicht nur die Schädelnähte, sondern auch die Entwicklung der Schädelbasis. Die Folge ist eine Mittelgesichtsunterentwicklung. Unser Fokus liegt auf der Entwicklung der Schädelbasis bzw. auf der Entwicklung des Mittelgesichtes. Die funktionelle Konsequenz der Unterentwicklung des Mittelgesichtes ist unter anderem die Verlagerung des Atemweges (Schlafapnoe), der insuffiziente Lidschluss (trockene Augen mit folgenden Hornhautläsionen) und der insuffiziente Lippenschluss (Speichelinkontinenz). Diese schwerwiegenden Zustände können wir durch die graduelle Vorverlagerung des Mittelgesichtes (Distraktionsosteogenese in der Le Fort III-Ebene) beheben.

Mittelgesichtsunterentwicklung (-hypoplasie) bei syndromaler Kraniosynostose (Pfeiffer Syndrom) vor der Therapie. Die graduelle Vorverlagerung des Gesichtes hat dem Kind und seinen Eltern ein neues Leben geschenkt: Trinken, Essen, Atmen und das Augenschließen wurde ermöglicht (Mit freundlicher Genehmigung des Sorgeberechtigten aus eigenem Patientenkollektiv; post-operative Bilder können im Internet nicht gezeigt werden).

Graduelle Vorverlagerung des Mittelgesichtes nach einer eigenen Methode der Mittelgesichtsverankerung (Roldán JC, Moralis A, Dendorfer S, Witte J, Reicheneder C. Journal of Craniofacial Surgery, 2011)

c.) Kiemenbogen-assoziierte Fehlbildungen im Gesicht (Franceschetti Syndrom/ Treacher Collins Syndrom):
Weichteile und darunter liegenden Knochen werden aufgebaut.

Geistig normales 7-jähriges Mädchen mit einem Franceschetti Syndrom. Die Weichteile und Knochen werden aufgebaut (Mit freundlicher Genehmigung, der aktuell volljährigen Patientin)

Die Wiederherstellung von Form und Funktion beim Franceschetti Syndrom fordert folgende Aufgaben, die wir anbieten können:

  • Rekonstruktion der Jochbeine: Die Jochbeine sind nicht angelegt.
  • Vorverlagerung des Unterkiefers: Der aufsteigende Unterkieferast ist unterentwickelt.
  • Vorverlagerung des Kinnes: Das Kinn ist unterentwickelt.
  • Nasenkorrektur: Die Nase ist typischerweise lang, was das ungünstige Profil durch die fehlende Jochbein- und Unterkiefer-Kinn-Prominenz betont.
  • Lidachsenkorrektur: Durch die nicht angelegten Jochbeine sind die seitlichen Lidbänder fehl-lokalisiert.
  • Weichteilaufbau mit Eigenfett: Neben der fehl- bzw. Nichtanlage der Jochbeine sind die Weichteile unterentwickelt.
  • Ohrmuschelrekonstruktion und Implantation von knochenverankerten Hörgeräten: Neben der Ohrmuscheldeformität ist das Hörvermögen betroffen. Diese Operationen werden in Zusammenarbeit mit den HNO-Kollegen vorgenommen.

Planung der Rekonstruktion von nicht angelegten Jochbeinen bei Franceschetti Syndrom in Zusammenarbeit mit BrainLAB (Feldkirchen, D) und dem Friedrich-Baur-Institut für Biomaterialien an der Universität Bayreuth. Hörimplantate wurden bereits durch die HNO- Universitätsklinik Regensburg implantiert.

d.) Goldenhar Syndrom/ Hemifaziale Mikrosomie:
Das Syndrom ist durch die Gesichtsasymmetrie (einseitige Unterentwicklung des Gesichtsschädels und der Gesichtsweichteile, erweiterter Mundspalt, Ohrmuschelunterentwicklung und diverse Augenanomalien) gekennzeichnet. Die Korrektur basiert auf der Rekonstruktion des Jochbeines, der graduellen Unterkiefervorverlagerung (Distraktionsosteogenese), der Mundwinkelkorrektur, des Weichteilaufbaus der Wange durch Eigenfettransplantation, der Ohrmuschelrekonstruktion und der Beseitigung des Augenbefundes, wenn vorhanden.

e.) Andere kraniofaziale Fehlbildungen:
Das Binder Syndrom ist durch die isolierte Unterentwicklung von Nase und Oberkiefer gekennzeichnet. Über viele Jahre wurde die Nase durch Auflagerungsplastiken aufwendig korrigiert. Wir bevorzugen die graduelle Vorverlagerung des Gesichtsschädels (Distraktionsosteogenese). Die Nase und der Innenraum der Nase werden größer, damit wird die Ästhetik und Funktion entscheidend verbessert.

Dermoide der Nase, Nasenfisteln und Meningoenzephalozelen sind angeborene Fehlbildungen, die durch Vorwölbung der Nase in unterschiedlicher Ausprägung vorkommen können. Eine radiologische Abklärung der intrazerebralen Beteiligung ist erforderlich. Die Therapie ist immer chirurgisch, je nach Ausdehnung wird die Operation in Zusammenarbeit mit dem Neurochirurgen durchgeführt.

2.) Knochentumore im Kindesalter:
Es handelt sich meistens um gutartige Knochentumore wie die sogenannte fibröse Dysplasie. Je nach Lokalisation im Gesichtsschädel werden unterschiedliche Zugänge gewählt. Der Gesichtsschädel ist über einen sogenannten Bügelschnitt über den Kopf oder durch einen Zugang über die Mundhöhle (Zahnfleischrandschnitt) ohne Entstehung von sichtbaren Narben darstellbar. In Ausnahmefällen, bei komplexen Gelenkoperationen, wird der Hautschnitt vor der Ohrmuschel (präaurikulärer Zugang), vorgenommen. Dieser Zugang hinterlässt allerdings keine sichtbaren Narben.

3.) Lagebedingte Kopfdeformitäten:
Die Kopfdeformitäten fordern eine sofortige Abklärung. Wenn die frühzeitige Verknöcherung der Schädelnaht die Ursache darstellt, dann muss eine Operation vorgenommen werden. Die häufigste Ursache der Kopfdeformitäten ist allerdings lagebedingt, hierfür ist in ausgeprägten Fällen die so genannte Helmtherapie die Therapie der Wahl. Der Kopf wird mit 5 Kameras dreidimensional fotografiert. Anhand der generierten Daten wird der Helm hergestellt. Wir sind Mitglieder des Cranioform-Netzwerkes für Helmtherapie, eine Initiative führender Gesichtschirurgen, die seit ca. 20 Jahren nur auf Kopfdeformitäten spezialisiert ist. Ein Portal für Eltern zum Erfahrungsaustausch sowie weiterführende Fachinformation können Sie unter www.cranioform.de finden.

Lagebedingte Kopfdeformitäten nach Blecher (Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. med. Chr. Blecher, Cranioform, Alpnach, Schweiz).

4. Schädel- und Gesichtsverletzungen (Kraniofaziales Trauma):
Sehr selten treten Frakturen des Gesichtsschädels bei Kindern auf. Meistens können sie durch nicht chirurgische Maßnahmen behandelt werden. Frakturen des Kieferköpfchens fordern eine zügige Mobilisation. In seltenen Fällen, wie bei doppelten Frakturen bei älteren Kindern, ist eine offene Behandlung eine Alternative. Die Frakturen des Orbitabodens müssen zügig operiert werden, damit das eingeklemmte Fett und gegebenenfalls die Augenmuskulatur befreit wird, sodass das Bestehen der Doppelbilder behoben werden kann.
Weichteildefekte im Gesicht werden auf Anforderung der Abteilung für Kinderunfallchirurgie vorgenommen.

5.) Hauttumore, Hautveränderungen, Gefäßanomalien und Verbrennungen im Gesicht:
Blutschwämme (Haemangiome), Gefäßanomalien (Arterio-Venöse Malformationen, Lymphangiome) und Riesenmuttermale (Riesennävi) zählen zu den häufigsten Läsionen der Gesichtshaut im Kindesalter. Die Therapie erfolgt in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Dermatologie und Kinderchirurgie.
Die Abteilung für Dermatologie verfügt über eine herausragende Erfahrung in der medikamentösen Therapie des Haemangioms, in nur seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich. Arterio-Venöse Malformationen, nach klinischer Abklärung mit der Abteilung für Dermatologie, werden durch den Laser und chirurgisch in Zusammenarbeit der Kinderchirurgie und Kinderradiologie behandelt.  
Riesenmuttermale im Gesicht stellen eine der größten Herausforderungen in der plastischen rekonstruktiven Gesichtschirurgie im Kindesalter dar. Durch die Anwendung von Hautexpandern (Hautdehnung durch implantierten auffüllbaren Ballon) hat sich die Komplexität der Behandlung erheblich reduziert. Durch die vorgedehnte Haut kann das Gesicht nach dem Prinzip der ästhetischen Einheiten rekonstruiert werden.  Der Laser stellt für kleinere und empfindliche Areale (bspw. Lidhaut) eine Therapieoption dar.

Hautexpander vor der Implantation im Gesicht

Weitere Informationen zum Thema „Muttermale“ finden Sie über die Selbsthilfegruppe Neavus-Netzwerk Deutschland e.V unter www.naevus-netzwerk.de.

Die Folgen einer Verbrennung im Gesicht sind enorm. Neben den ästhetisch störenden Narben, können erhebliche funktionelle Einschränkungen entstehen, wenn die Lippen Betroffen sind. Rekonstruktive Maßnahmen im Bereich der Lippen sind Teil unserer Kernkompetenz.

Verbrennung der gesamten Lippen. Planung der Operation unter Berücksichtigung der ästhetischen Einheiten im Gesicht (Mit freundlicher Genehmigung des Sorgeberechtigten aus dem eignen Patientenkollektiv am SKM-Hospital, Nepal. Post-Operative Bilder können im Internet nicht gezeigt werden)

Weitere Informationen zu brandverletzten Kindern erhalten Sie über die Organisation "Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V." unter www.paulinchen.de.

6.) Ästhetische Gesichtschirurgie (Korrekturen):
Abstehende Ohrmuschel: Die Ohranlegeplastik ist ein klassischer ästhetischer Eingriff im Kindesalter. Psychologische Untersuchungen belegen die Notwendigkeit dieser Operation. Leider wird der Leidensdruck bei den Kindern von den Eltern oft nicht wahrgenommen. Die Operation ist relativ einfach und die Wirkung sehr groß.
Kosmetische Korrekturen von Narben im Gesicht werden vorgenommen. Narben mit Substanzverlust können mit Eigenfett korrigiert werden.

Leitung:
PD Dr. Dr. med. J. Camilo Roldán, FEBOMFS
Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Plastische Operationen
Fellow of the European Board of Oro-Maxillo-Facial Surgery

 

Mehr Informationen zu PD Dr. Dr. med. J. Camilo Roldán


Kontakt:
Kath. Kinderkrankenhaus
Wilhelmstift
Liliencronstraße 130
22149 Hamburg

Tel. 040 67377-400
Fax 040 67377-445
plast.kindergesichtschirurgie@kkh-wilhelmstift(dot)de

 


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