1930-1945 Schwere Zeiten für die Wilhelmstiftung

1930 wird der bisherige Rektor und Verwalter des Hauses versetzt. Die Ordensschwestern übernehmen nun nicht nur die Führung des Personals, sondern auch die Verwaltung des Hauses. Auf ihre Anregung hin wird eine Ausbildungsstätte für Säuglings- und Kinderpflegerinnen eingerichtet. Die Ausbildung erfolgt ohne Vergütung. Durch diese Einrichtung hofft man sowohl die Schwestern als auch den Etat zu entlasten. Die Schule ist staatlich nicht anerkannt, da zum einen der Kinderarzt fehlt und zum anderen die Einrichtung des Hauses zu einfach ist.

Kinderpflege im Sommer

Im Jahre 1931 senkt die Behörde den Pflegesatz für Säuglinge zunächst von 2 Mark am Tag auf 1,40 Mark. Um weitere Kosten einzusparen, sollen die Kinder möglichst bald, wenigstens mit Vollendung des 1. Lebensjahres, in die billigere Pflegefamilie gegeben werden. Die Belegung geht auf 42 Kinder zurück, so dass man gezwungen ist, die Kinder für den Satz, der den Familien gezahlt wird, nämlich 1 Mark täglich, zu verpflegen.

Die Belegung bessert sich, aber die finanzielle Lage  bleibt weiter schwierig. Das Heim nimmt bisher fast nur katholische Mütter mit  Kindern auf. Andere Mädchen sind auf staatliche Heime angewiesen. Auch diese werden jetzt in die Wilhelmstiftung aufgenommen.

Zugleich werden zwei Wöchnerinnenzimmer eingerichtet, um eine Entbindungsmöglichkeit zu schaffen. Es kommen dann auch Frauen aus Rahlstedt zur Entbindung ins Heim und diese Einnahmen helfen ein wenig über die schwierige Zeit hinweg. Da diese Einrichtung aber mit den eigentlichen und vordringlichen Aufgaben des Hauses schwer zu vereinbaren ist, wird sie schon nach zwei Jahren wieder aufgegeben.

Im Jahr 1935 nimmt die Belegung einen neuen Aufschwung. Der Kreis Stormarn und die Stadt Wandsbek heben aus Kostengründen ihre Kinderheime auf und weisen die Kinder in die Wilhelmstiftung ein.

Trotz des politischen Drucks in diesen Jahren lassen sich die Pflegeplätze im Säuglingsheim auf 80 erhöhen.

1936 werden Hamburg und Umgebung durch Epidemien heimgesucht. Zahlreiche Kinder erkranken und werden teils in Krankenhäuser überwiesen und teils in der Wilhelmstiftung gepflegt.

1939 Mit Ausbruch des Krieges wird die Übergabe der 1-jährigen Pfleglinge in Familienpflege immer schwieriger. Das Haus ist fast immer überbelegt, das Durchschnittsalter der Pfleglinge wird höher, während der Nachwuchs an Neugeborenen zurückgeht.

Hinzu kommt, dass auch Kinder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen eingewiesen werden. Die vorhandenen Einrichtungen werden den veränderten Erfordernissen nicht mehr gerecht, was zu Beanstandungen von Seiten der Behörden führt.
Die Ernährung von Pflegekindern und Personal ist zunächst aufgrund des eigenen landwirtschaftlichen Betriebes ausreichend.

1942 Umbauten im Kellergeschoss für einen Luftschutzraum

1943 Evakuierung des Pflegeheimes nach Bargteheide

1945 Wiederaufnahme des Betriebes in Rahlstedt nach Behebung erlittener Bombenschäden


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