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Elternwerden ist nicht schwer, Elternsein dagegen sehr - im Unterschied zu diesem Slogan aus früheren Zeiten ist heute auch das Elternwerden schwerer geworden. Wie jemand leben möchte, ob und wann ein Kind willkommen ist, ob verheiratet oder unverheiratet, alleinerziehend oder in einer Paarbeziehung, homo- oder heterosexuell, in biologischer oder sozialer Elternschaft - die Wahlmöglichkeiten waren nie so groß wie heute. Diese vielen Möglichkeiten bringen unbestritten Vorteile mit sich, allerdings hat sich die Elternschaft dadurch auch gegenüber attraktiven Alternativen zu behaupten, und die Möglichkeiten zur Ausgestaltung der Elternschaft gehen mit großen Anforderungen an die psychische Belastbarkeit und soziale Kompetenz der Einzelnen einher.
Wenn verinnerlichte Beziehungserfahrungen wenig Halt und Struktur geben, wenn die inneren Bilder von Familie, die über Generationen tradiert werden, von Unsicherheit geprägt sind, dann reicht nicht mehr aus, was die Psychoanalytikerin Therese Benedeck vor rund 80 Jahren geschrieben hat: "Eltern (haben) normalerweise das Glück, dass sie selbst einmal Kind von Eltern waren". Verinnerlichte Beziehungserfahrungen galten damals als ausreichende Mitgift für die Elternschaft - können wir dieser Aussage heute noch zustimmen?
Ein Kind zu erziehen gilt inzwischen als große Herausforderung, der Griff zur Ratgeberliteratur verunsichert oftmals zusätzlich. Eltern suchen vermehrt professionelle Hilfe, die Paar- und Familientherapeuten in Institutionen oder Praxen ersetzen oftmals den früher üblichen Rat der Eltern und Grosseltern. Nicht zuletzt werden Präventionsprogramme zur Förderung elterlicher Kompetenzen angeboten sowie spezielle Hilfen für risikobelastete Familien, um allen Kindern möglichst von früh an die gleichen Chancen zu geben. Wo stehen wir eigentlich heute? Es ist an der Zeit, innezuhalten und ein Resümee zu ziehen, um sich klarzuwerden über den Kontext unseres professionellen Handelns. Was können wir überhaupt tun? Wäre es an der Zeit, das Elternsein viel grundlegender aufzuwerten? Gibt es bereits Indikatoren für einen anstehenden Wandel?
Nach dem Auftakt am Donnerstag Abend mit Dieter Thomä, der zur Elternschaft als risikoreicher Lebensform sprechen wird, werden wir am Freitag mit klinisch-wissenschaftlichen Beiträgen unterschiedliche Facetten der Elternschaft beleuchten. Am Samstag steht das Für und Wider der Prävention im Zentrum, mit Fokus auf den psychosozialen Hilfsangeboten für Familien. Außerdem besteht ein breites Angebot an Workshops und das die Tagung ausrichtende Heidelberger Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie wird sich in einer "Postersession ganz anderer Art" präsentieren. Aber auch Feiern, Essen und Trinken werden nicht zu kurz kommen! Das Tagungsfest bietet Gelegenheit zur Pflege alter und neuer Kontakte und wird einen fröhlichen und beschwingten Akzent setzen.
Wir würden uns freuen, Sie in Heidelberg begrüßen zu können!
Manfred Cierpka, Astrid Riehl-Emde, Michael Stasch, Joachim Walter (Planungsgruppe)
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